Nun schon das sechste Mal hatte ich die Ehre und das Vergnügen mit einem aus meiner Sicht sehr authentischen Yogi, ein dreitägiges Seminar in Berlin am Tegeler See zu absolvieren. Die Rede ist vom Schweizer Reinhard Gammenthaler, der eine lange Tradition indischer Gurus fortsetzt. Sein Hatha Yoga Stil ist der bisher authentischste für mich von so einigen, die ich kennen lernte. Die Begründung ist einfach, denn in seinen Seminaren wurden in mir die meisten, schönsten und umfangreichsten Energieressourcen freigesetzt. Hatha Yoga eignet sich hervorragend dafür, seelisch geistige Erweiterungsprozesse durch Arbeit auf der körperlichen Ebene anzuregen. Dazu muss der Körper regelrecht angetrieben werden, damit er sein energetisch körperliches Potenzial ausspielen kann, denn eher der Mangel an ausgleichenden Bewegungen und ein zu viel an wenigen, monotonen Bewegungen lassen uns degenerieren.

In Reinhards Seminaren besteht die Möglichkeit für Einsteiger als auch Fortgeschrittene des Yoga gleichermaßen, an der persönlichen Leistungsgrenze zu arbeiten. Und dabei werden auch keine individuellen Tipps bzw. manuelle Körperkorrekturen gegeben, denn das ist nicht notwendig. Die Kundalini, eine Kraft, die in jedem von uns schlummert, wird, wenn sie entsprechend angeregt wird, im zentralen Energie Kanal aufsteigen und dabei sämtliche körperliche Fehlhaltungen korrigieren.

Ich erinnere mich noch sehr genau an mein erstes Seminar. Es war eine Offenbarung von in mir verschütteten Wissen. In den ersten zehn Jahren meiner Praxis streifte ich die sehr wichtigen Gebiete des Yoga unbewusster Weise aber mit der Feststellung, dass fühlt sich richtig gut an. Reinhard legt in seiner Praxis den Schwerpunkt auf die Offenlegung unbewusstem Bewusstseins. Ich kannte bereits sein Buch und es zog mich vom ersten Augenblick an nahezu magisch in seiner Aura, dennoch war ich ungewohnt skeptisch und dachte mir, na mal sehen was du drauf hast. Bereits nach den ersten 10 min von ca. 1000 min Übungszeit, die ich noch vor mir hatte, war die Skepsis weg. Im Gegenteil – die Eindringlichkeit mit der mein Herz sprach hier richtig zu sein, richtig zu sein in der Arbeit mit dieser Technik, die mir all die vielen Yogis zuvor nicht zeigten, legte jede Form der Skepsis in Schutt und Asche. Ich wusste ich war angekommen, angekommen am richtigen Platz mit der richtigen Technik, um bis an mein Lebensende mit ihr arbeiten zu können.

Ich erfühlte eine sehr genaue Vorstellung was die Kundalini ist und eine Vorausschau, eine Ahnung ihres Potenzials, welches noch ungenutzt war ohne dabei ein Ende ihrer Möglichkeiten wahrnehmen zu können. Es fühlte sich so gut an, extrem gut an – dieses Fließen von Energie. Ich kann mir nicht vorstellen, dass auch nur ein einziger Mensch auf diesem Planeten diese Energie nicht als wohlfühlend, entspannend und schön empfindet. Sie ist das Purste, noch purer als Muttermilch. Keine Zweifel, keine Angst, kein Ego, kein sich beweisen wollen, nicht Essen, Trinken, Schlafen wollen – nur pures Bewusstsein – Sein ohne Forderungen und Wünsche zu hegen. Leider hält dieser Augenblick begrenzt an, aber über die Jahre lernt man, die Spanne zu erweitern und sie in jeder Asana, in jedem Pranayam zu verlängern und zu intensivieren. Dabei ist kein Tag wie der andere, an dem einem fällt es leichter, an dem anderen ist der Widerstand scheinbar grenzenlos und dennoch macht man sich auf den Weg, es wieder zu spüren, denn es wappnet uns gut für den Tag, schenkt Gleichmut, ohne Hochmut oder Tiefmut.

 

Nun was macht denn eigentlich den Unterschied zu den anderen Yogastilen aus, wird sich der Eine oder die Andere nun fragen. Der Unterschied ist klein, aber gewaltig in seiner Wirkkraft. Reinhard setzt die drei körperlichen Verschlüsse – die Bandhas und eine Hauptatemübung – Ajagari permanent bei jeder Asana ein und erzielt damit eine wesentlich intensivere Wirkung, als ließe man sie ungenutzt. So steht es übrigens auch in den klassischen Schriften wie der Pratipika geschrieben, aber die Wenigsten setzen es in der Praxis ein, um ehrlich zu sein, ist es mir bei keinem Yogalehrer oder Yoga Stil in meinen ersten 10 Jahren begegnet. Überall wurde viel von fühlbaren Energien gesprochen, aber die vermittelten Techniken des Erfühlens erbrachte zu wenig Resultate und ich übte viel.

Nach 3 Stunden des Übens begrüßt man gern die Endentspannung in der sogenannten Leichenlage und kann sich dann gut fallen lassen. Reinhard spielt zumeist langsame, schöne indische Flötenmusik ein – eine gute Basis um tief in sein Unterbewusstsein zu reisen. Ein Ausflug wie auf einem fliegenden Teppich in ein großes Land.