Die meisten im Büro arbeitenden Menschen haben sich mit der Zeit an eine ungesunde Sitzweise gewöhnt. Gemeint ist das Sitzen mit einer Rückenlehne. Diese Art des Positionierens des Körpers ist auf Dauer eher ungesund und wiederspricht grundlegend unserem Körperbau oder lehnen Sie sich permanent an eine Wand an, nur um zu stehen? Ab und zu nutzt jeder Mal eine Lehne, eine Stütze oder Wand um das eigene Gewicht aus Gründen der Energieersparnis vertrauensvoll abzugeben. Aber dies ist nur gut für eine Pause – für das Herunterfahren der geistig-körperlichen Systeme. Denn in der Nichtpause also der Arbeitszeit braucht der Körper eine gewisse Spannung, um die Grundwachheit herzustellen, damit Leistung und Aufmerksamkeit erbracht werden kann. Das bedeutet im Umkehrschluss – wer körperlich spannungslos sitzt – sozusagen rastet – der wird auch rosten, wenn es von Dauer ist.
In fast allen Regionen der Nichtwestlichen Welt weiß man, wie rückenschonend ohne Lehne pausiert werden kann, denn da wird vor allem gehockt, gekniet und natürlich auch gesessen. Das Hinlegen sei von dieser Betrachtung ausgenommen. In unserem westlichen Kulturkreis hingegen beherrschen zumeist nur noch die Kinder diese Art des Pausierens. Fast jedes Kind bis zum Vorschulalter kann sich problemlos für längere Zeit auf den Boden setzen und die Unterschenkel nach außen oder innen angewinkelt oder direkt mit dem Gesäß auf Ihnen sitzend verweilen, bevor es durch viele Jahre ungesunden Sitzens in der Schule diese Fähigkeit verliert.

Für all diese Positionen braucht man keinen besonderen Stuhl. Vielmehr bedarf es einer ausreichend großen Sitzfläche, damit die verschiedenen Stellungen auch eingenommen werden können. Eine quadratische Sitzfläche von 80×80 cm ist für die meisten erwachsenen Menschen bis 190 cm ausreichend. Wer größer ist sollte eine 90×90 cm große Sitzfläche wählen. Diese Länge ergibt sich aus dem Abstand von Knie bis hin zur ausgestreckten Zehe wie in der Abbildung rechts zu sehen ist.

Im Yoga weiß man um den Zusammenhang von Rücken und Beinen. Wer schwache und unflexible Beine hat, wird auch einen dementsprechend schwachen und steifen Rücken haben. Im modernen Büroarbeitsalltag, der stark an den Schreibtisch gebunden ist, werden die Beine so selten benutzt, dass Blutstau in den unteren Extremitäten keine Seltenheit ist. Die Beine schlafen regelrecht ein, da sie nicht genutzt werden. Infolge dessen wird auch der Rücken nicht benutzt – auch er schläft ein, weil sich die Muskelmasse durch Inaktivität zurückbildet. Das tragische an dieser Abwärtsspirale ist nur, dass der Rücken dennoch den Großteil des Körpergewichtes zu tragen hat, obgleich die Lehne einen Teil der Last übernimmt. Dadurch muss ein nicht durch entsprechende Anspannung vorbereiteter Rücken eine Last tragen, die er nicht mehr gewohnt ist. Das ist die Basis für Rückenprobleme vielerlei Art. Aufgrund der Disbalance von Kraft und Flexibilität der Muskeln, entstehen Verschiebungen von Sehnen und Bänder im menschlichen Körper, die über die Jahre hin angenommen werden, ohne dass Ihnen Aufmerksamkeit geschweige denn Gegenaufwand zukommt. Und dann ist er scheinbar plötzlich da – der Stiernacken oder der Bandscheibenvorfall. Das passiert nicht plötzlich sondern ist das Ende einer langen Kette körperlich ungünstiger Positionen. Und diese ist die abwärts gerichtete Spirale – je mehr Last bzw. Eigenverantwortung man abgibt, umso größer werden die Rückenprobleme.
Die einzige langfristig erfolgreiche Strategie um diese Szenarien zu verhindern, ist ein geistig als auch körperlich aktiv arbeitender Mensch. Daher ist ein frühzeitiges Aneignen der hier gemachten Vorschläge eine sehr gute Grundlage für rückenbeschwerdefreies Arbeiten im Büro. Und dazu ist es ratsam, sich sukzessive von Sitzmöglichkeiten mit Lehen während der Arbeit am Schreibtisch zu verabschieden, denn ein Großteil der Arbeit sollte ohne Rückenlehne stattfinden. Dies mag nun für den ein oder anderen nach viel Aufwand oder Arbeit klingen. Aber die Aussicht auf einen kräftigen und flexiblen Rücken, der während der Arbeit trainiert wird, klingt für mich sehr reizvoll und ich arbeite seit 25 Jahren an Rechnern und nutze die Stellungen des Yoga mittlerweile seit 17 Jahren und ich benötige keine Lehne. Und wenn ich eine brauche, dann weiß ich, dass ich krank bin, weil ich nicht einmal die Kraft habe, meine eigene Grundspannung zu halten.